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Der Zirkus Sarrasani in Dresden

Kurze Geschichte zum Zirkus

Sarrasani Titel
Sarrasani trat schon vor der Jahrhundertwende mit Dresden in Beziehung, er trat mit seinem Minizirkus, bestehend aus Hunden, Affen, einem Bär und einem Schwein (auch “die lustige Tierfamilie” genannt) in Strehlen auf. Als er dann mit dem “größten und elegantesten Zelt-Circus Europas” (aus einer Sarrasani Anzeige von 1902) auf Reisen ging, führte ihn der Weg regelmäßig in die Residenzstadt, die durch Ernst Jakob Renz’ (geboren am 18. Mai 1892 in Böckingen bei Heilbronn, gestorben am 3. April 1892 in Berlin) Gastspiele als “gute Zirkusstadt” bekannt war. Sarrasani spielte mit Vorliebe auf dem freien Platz neben dem Jägerhof in der Neustadt, wo bereits 1746 ein Hetz-Amphitheater gestanden hatte.

Nachdem Stoschs Versuche, einen stationären Zirkus zu errichten, in anderen Städten fehlgeschlagen waren, orientierte er sich auf dieses Gelände und fand bei den Stadtvätern größtes Entgegenkommen. Am 27. Mai 1910 verkaufte die Stadtgemeinde Dresden diesen inzwischen erweiterten “ungefähr 5632 qm großen Baublock zum Preise von 80 (achtzig) Mark – Pf für das qm” (aus dem Kaufvertrag) an Hans Stosch-Sarrasani mit der Auflage “binnen ein und demselben Jahre von der Übergabe des Landes an einen massiven Zirkus zu errichten, der im Innern allen Ansprüchen der Neuzeit und in seiner äußeren Gestaltung höheren architektonischen Ansprüchen entspricht” (aus dem Kaufvertrag).

Im Mai 1911 begannen die Bauarbeiten, an denen über 20 Firmen beteiligt waren und obwohl einige Quengeleien zwischen den beiden Kontrahenten Stosch und Renz die arbeiten hinauszögerten wurden die Bauarbeiten am Zirkus Sarrasani am 19. September 1912 erfolgreich beendet.

Am 22. Dezember 1912 wurde das “Circus-Theater 5000”, in welchem nach polizeilichen Unterlagen 3860 Menschen einen Platz fanden, mit einer grandiosen Wohltätigkeitsveranstaltung unter Anwesenheit der Königsfamilie eingeweiht. “Die Eröffnung des Zirkus Sarrasani war die Sensation dieses vierten Advents für die hiesigen Gesellschaftskreise. Was Sarrasani der Stadt Dresden gegeben hat, erlebten wir gestern; die kommenden Wochen werden zeigen, was die Stadt Dresden Sarrasani zu geben hat” (Dresdner Nachrichten, 23. Dezember 1912).

Bis zum Abend des 13. Februar spielte man aller zwei Wochen das Programm.
Dann fiel es dem anglo-amerikanischen Bombenangriff zum Opfer.

Über die Architektur und Einrichtung

Sarrasani Außenansicht
Das Haus, welches “von der König-Albertstraße, der Villierstraße, dem Beaumont Platz, der Briestraße und dem Königin-Carola Platz” (aus dem Kaufvertrag) umschlossen war, war seinerzeit Europas modernster Zirkusbau. “Sein Herzstück war der frei gespannte Kuppelraum mit einem Durchmesser von 46,50m und einer lichten Höhe von 28,95m … seine gesamte Höhe betrug 35,75m … die Manege erhielt die Standardabmessungen von 13,20m im Durchmesser, sie konnte abgesenkt und mit Wasser gefüllt werden; die Bühne erreichte eine Höhe von 17,15m und wurde mit einem Asbestvorhang abgeschlossen.” (aus “Sarrasani wie er wirklich war”)

Bei der Verwendung der Baumaterialien sparte Stosch in keinster weise. Das Gebäude galt als das “feuersicherste weit und breit, so daß es nicht selten Ziel von Exkursionen von Bauleuten und Feuerwehren wurde.” “Sämtliche eisernen Unterkonstruktionen der Ränge, Logen und Galerien wurden von unten feuersicher verkleidet. Einige Bauteile und die Stallanlagen führte man in massivem Backstein auf, die wichtigsten Treppen, sowie die Decken von Keller und Erdgeschoß in Eisenbeton. Ränge, Logen, Parkett, Galerie erhielten eigene, voneinander unabhängige Treppenanlagen, die ins Freie führten (die Galerie allein acht!). Außerdem wurden ein Gefahrenstellen-Anzeiger, 42 Druckknopfmelder und 22 Temperaturmelder eingebaut, die einen Brand automatisch der städtischen Hauptfeuerwache meldet.” (aus “Sarrasani wie er wirklich war”). Das eingreifen externer Hilfskräfte war aber nicht immer, da sich im Gebäude eine eigene Feuerwache, Polizei- und Sanitätsstation befand. Feuerwehrmann Paul Großmann, der in der Feuerwache nebenan angestellt war meinte, dass dieses Gebäude “für uns ein Schulungsbeispiel” ist. Alle Feuerwehrleute dieser Wache erhielten als kleinen Bonus vergünstigte Eintrittspreise.

Die genaue Kapazität des Zuschauerraumes ist bis heute nicht eindeutig geklärt , da Sarrasani vom “Theater der 5000” sprach, aber die Unterlagen der Baupolizei 3860 ergaben (840 Parkett und Logen, 920 im ersten und 512 im zweiten Rang und 1588 auf der Galerie). Die Vermutung, dass man diese Zahl durch “stopfen” erreichen könne, galt nicht als wahrscheinlich, da Stosch sehr auf Sicherheit bedacht war und außerdem hätte man so niemals über 1000  Zuschauer “reinquetschen” können. Vermutlich war die Zahl 5000, die Stosch erwähnte nur eine Wunschzahl.

Des weiteren befanden sich im Gebäude ein  Speiserestaurant mit Künstlerklause, Dienstwohnungen, einen Salon, der die ganze Nacht über offen blieb, ein Kabarettprogramm zeigte und eine “American Bar” enthielt, ein Kellerrestaurant sowie drei Büfetts zur Pausenversorgung.

Weitere Nutzungen des Gebäudes

Wie alles im Leben hatte auch der Zirkus Sarrasani einen Nachteil – die Akustik. Die schlechte Qualität der Akustik wurde bereits bei der Einweihung bemerkt. Dieses Problem, welches den Direktor Zeitlebens Sorgen bereitete verhinderte die Mitbenutzung des Theaters. Zwar gab es einige Versuche, auch als Stadthalle, aber es blieben auch solche.

Im Laufe seines 33jährigen Bestehens wurde es trotzdem als Varietétheater und für Sportveranstaltungen bis hin zu Großveranstaltungen genutzt.

Es fiel oft auf, dass Stosch das Zirkusgebäude eher an Linke als an Rechte Vermietete und an solche, die sein potentielles Publikum waren.

Als Versammlungsstätte wurde es von den Nazis benutzt. Am 3. August 1924 fand eine viel beachtete “Friedenskundgebung” und im April 1925 eine “Marx-Kundgebung” statt.

Die Familie Stosch




  • Hans Stosch-Sarrasani, senior


    Hans Stosch-Sarrasani, senior



  • Hans Stosch-Sarrasani in seinem berühmten Maharadschakostüm


    Hans Stosch-Sarrasani in seinem berühmten Maharadschakostüm



  • Hans Stosch-Sarrasani, junior


    Hans Stosch-Sarrasani, junior



  • Hedwig Stosch-Sarrasani


    Hedwig Stosch-Sarrasani



  • Maria Stosch-Sarrasani


    Maria Stosch-Sarrasani

Einige der Hauptattraktionen




  • Das menschliche Känguruh Aage Markoni


    Das menschliche Känguruh Aage Markoni



  • Der lange Emil und der kleine Max


    Der lange Emil und der kleine Max



  • Japanertruppe 7 Uyenos


    Japanertruppe 7 Uyenos



  • Kunstschützendarbietung


    Kunstschützendarbietung



  • Stelzenläufer inmitten von Musikern


    Stelzenläufer inmitten von Musikern



  • Zwergclown Francois und Wunderesel Rigolo


    Zwergclown Francois und Wunderesel Rigolo

Zitate über Sarrasani

In der langen Reihe großer deutscher Künstler, Wissenschaftler und Techniker darf Hans Stosch-Sarrasani nicht fehlen.
Junge Welt, 9. August 1985

Sarrasani war ohne Zweifel ein Weltbegriff und hat in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts ein gewichtiges Stück deutscher Zirkusgeschichte mitgeschrieben.
CDU-Pressedienst, 30. Juli 1985

Er begründete ein Zirkusimperium, das für ein halbes Jahrhundert Niveau, Strömungen und Ausstrahlung dieser Kunst der Manege mitbestimmte.
Radiosender DT 64, 19. September 1985

In Hans Stoch-Sarrasani sen. Vereinten sich die Eigenschaften eines nach Höchstleistungen strebenden Künstlers, eines ständig auf Modernisierung seines Unternehmens bedachten Kaufmanns und nicht zuletzt eines cleveren Werbepsychologen.
Henschel-Mitteilungen 1984

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